53°31'03.5"N 9°40'08.8"E
Westerladekoper Minnerweg






Lineare Beet- und Grabenstruktur der Hollerkolonisation

Die ursprüngliche Naturlandschaft des Sietlandes war von einem Netz von Prielen und Wasserläufen durchzogen.
Die Lage in der Flussmarsch der Elbe führte im Alten Land zur Herausbildung unterschiedlicher Bodenlandschaften. Schwerpunktmäßig finden sich vom Elbufer bis zum Hinterdeich fruchtbare Kleimarschböden. Sie standen in starkem Kontrast zu den armen Böden der benachbarten Geest und die hohen Erträge führten maßgeblich zur Herausbildung der besonderen Altländer Kultur. Je weiter diese Sedimente von der Elbe entfernt abgelagert wurden, desto geringer ist die Bodengüte bedingt durch zunehmenden Entkalkung und der Anfälligkeit für Staunässe.
Die typischen linearen Strukturen der ausgeklügelten Entwässerungssysteme prägen das Alte Land bis heute. Sie haben ihren Ursprung in der Besiedlung durch die holländischen Kolonisten.

Die ersten Holländer gelangten um 1113 in die Marschen des Erzstifts Bremen. In den ersten Siedlungsbezirken der Ersten Meile sind Marschhufenfluren mit einer Parzellenlänge von 2,25 km (4 ½ Altländer Morgen) nachweisbar. Gleichzeitig mit dem Bau der ersten Deiche wurden die Parzellen abgeteilt und Entwässerungsgräben gezogen. Die parallelen Gräben liefen im Abstand von 15 bis 20 Metern senkrecht auf den Deich zu in eine parallel zum Deich verlaufende Wettern, die das Wasser durch ein Siel durch den Deich in den Fluss leitete. Jeweils 8 solcher Stücke nebeneinander bildeten gewöhnlich eine Hufe.

Die Hufen waren Breitstreifen von etwa 150 m Breite und 2,25 km Länge, sie enthielten etwa 33,5 ha.
Die Siedler bauten Deiche an der Elbe, den Nebenflüssen und zum Moor hin und entwässerten das eingedeichte Gebiet. Sie brachten das Wissen über Wasserbautechniken mit, die bereits im 10. und 11. Jahrhundert in Flandern angewand worden waren. Die dortigen, in das 10. Jahrhundert zu datierenden Marschhufenkolonien wiesen dieselben Merkmale auf, wie die Siedlungen des Alten Landes:
„In eingedeichten Poldern rechteckig vermessene Fluren mit gereihten Höfen und meist hofanschließenden normierten Breitstreifen, den Marschhufen, die durch parallele Gräben und quer dazu verlaufende Wettern entwässert wurden“.

Die Hollerkolonisation überprägte die ursprüngliche Landschaft. Aus der Luft erkennt man die typische lineare Beet- und Grabenstruktur der planmäßig angelegten Marschhufen. Die von der Geest abfließenden Wassermengen und das Regenwasser wurden durch umfangreiche Wasserbaumaßnahmen mittels eines Systems aus Gräben, Wettern und Sielen in die Elbe abgeführt, das noch immer in weiten Teilen besteht. Die ehemaligen Priele der ursprünglichen Landschaft lassen sich anhand von Luftbildern und im Digitalen Geländemodell noch erkennen.




Westerladekoper Minnerweg

Die Minnerwege waren ursprünglich nicht für den Durchgangsverkehr vorgesehen. Die Bezeichnung ist vermutlich aus „bi dem Inwege“ zusammengezogen worden.

Ladekop dürfte um 1197 angelegt worden sein. Die heutigen Dorfstraßen Wester- und Osterladekop könnten zunächst der Deich gewesen sein mit einseitiger Besiedlung gen Süden mit der parallel verlaufenden Wettern.

Der Verlauf der Siedlungsarbeit in Ladekop im 13. Jahrhundert vollzieht sich ähnlich wie in Jork. Der erste Schritt ist der Bau der Ladekoper Wettern, und aus der ausgeworfenen Erde entsteht der Ladekoper Minnerweg als vorläufiger Achterdeich. Das Wasser aus der Wettern erhält Zugang zum Jorker Fleet. Das Stück wird heute Dwalk genannt. Auf der westlichen Seite zur Lühe hin bestand bereits der Neuenkirchener Hinterdeich. Östlich gegen die Este nach Neuland, Vogelsang und nach dem Hohen Moor, war Schutz nötig; dazu diente die Osterladekoper Halbfehrden. Zur landwirtschaftlichen Nutzung der ganzen Fläche musste der Hohe Hinterdeich im Süden zum Moor hin errichtet werden. An der Moorseite des Hinterdeichs hoben die Siedler die tiefe und breite Moorwettern aus; sie schnitten dabei die Quellbäche der Zester, den Staubek aus den Ihlteichen im Wald von Neukloster und den Mühlenbek, der ursprünglich Bredenbek hieß, ab. Aus der ausgeworfenen Moorerde errichtete man den Hohen Hinterdeich und erhöhte ihn durch einen ausgeworfenen Graben landeinwärts mit der festeren Marscherde.

Die Landstraße nach Neukloster wurde 1844/1859 erbaut. Die Halbfehrden ist heute Teil des Europa-Radwanderweges und wird gerne von Schüler*innen für den Schulweg nach Buxtehude genutzt. Von der neuen Autobahnbrücke hat man gute Sicht über die Obstbauflächen bis zum Geestrücken am nördlichen Elbufer und Hamburg-Blankenese.